Geschichte des Shinbuddhismus in Österreich

Im November 1954 kam der Patriarch des Nishi-Honwanji-Tempels in Kyôto/Japan, Kosho Ôtani mit Gemahlin Lady Yoshiko nach Wien. Sie waren auf einer Europareise. Kosho Ôtani gab in der damals neu gegründeten Buddhistischen Gesellschaft Wien einen Vortrag über "Dankbarkeit" (Gasshô). Sein Vortrag fand großen Beifall. Der Sekretär der Buddhistischen Gesellschaft Wien, Ing.Franz ZOUZELKA und seine Gattin Angela waren so begeistert, dass sie spontan um Aufnahme in den Hongwanji Tempel ersuchten. Franz Zouzelka bat auch, seinen eben geborenen kleinen Sohn Manfred in den Tempel aufzunehmen. . Er war das erste europäische Kind in der vierhundertjährigen Geschichte des Hongwanji, das dort Aufnahme fand.

Franz Zouzelka war von einem schweren Schicksal gezeichnet.
Als blutjunger Soldat hatte er in den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs ein Bein verloren. Im Lazarett fiel ihm zufällig ein Buch von Paul Carus über Buddhismus in die Hände und er begann sich mit der buddhistischen Lehre zu beschäftigen. Franz Zouzelka war nach dem Krieg als Konstrukteur in der Lokomotivfabrik Wien-Floridsdorf tätig.
Im August 1965 schied er, von einem langjährigen Leiden geplagt, freiwillig aus dem Leben.

Im Dezember 1960 trat Friedrich FENZL, seit 1955 Mitglied der Buddhistischen Gemeinschaft Wien, dem Nishi Hongwanji-Tempel bei.

Zusammen mit Harry Pieper und Karl-Heinz Kupfer führte er in den Jahren 1965 bis 1968 eine Strafgefangenenbetreuung in buddhistischem Geist durch. Zwei Gefangene in der Strafanstalt Garsten (Oberösterreich) traten Jôdo-Shinshû bei. 1965 wurde mit der Publikation eines kleinen, hektographierten Blättchens MAHÂYÂNA begonnen. Die Zeitschrift erschien in zehn Jahrgängen von 1965 bis 1974.

1968 erhielt Fenzl ein Stipendium des Nishi Hongwanji Tempels und studierte japanischen Buddhismus, Shin-Buddhismus und Geschichte des japanischen Buddhismus an der berühmten Ryukoku-Universität (Ryukoku-Daigaku) in Kyôto. Er war auch als Tutor für die deutsche Sprache an der Kyôto Joshi Daigaku (Kyôto Frauenuniversität) tätig. Einige Jahre später gründete er die Buddhistische Gemeinschaft Salzburg (BGS), die erste buddhistische Gemeinschaft Österreichs außerhalb von Wien.

1980 wurde mit der Publikation einer kleinen Quartalszeitschrift AMIDA begonnen, ab 1989 auch mit einer anderen periodischen Schrift RUNDBRIEFE zur buddhistischen Sozialethik. Im österreichischen TV hielt Fenzl in der Serie DIE LEHRE DES BUDDHA mehrere Fernsehpredigten, von denen einige Shin-Buddhismus und shin-buddhistische Persönlichkeiten zum Inhalt hatten.

Die Anwesenheit des Patriarchen in Österreich auf seiner Rückreise von der I. Europäischen Shinkonferenz in Belgien bot den Anlass zur offiziellen Gründung der Buddhistischen Gemeinschaft Jôdo-Shinshû . Die Zeremonie fand am 17.August 1980 in den Räumlichkeiten des Buddhistischen Zentrums Am Fleischmarkt statt. Als prominente Ehrengäste nahmen der Präsident der Österreichischen Buddhistischen Union von 1977 bis 1983, Dr. Walter KARWATH, der frühere Präsident der Buddhistischen Gesellschaft Wien, Prof. Fritz HUNGERLEIDER und der Kulturattache der japanischen Botschaft in Wien teil.

Nachdem 1980 mit zweijährlichen europäischen Shinkonferenzen begonnen wurde, fand die 2.Europäische Shinkonferenz vom 30.Juli bis 4.August 1982 im Buddhistischen Zentrum Scheibbs (Niederösterreich) statt. Etwa 30 Teilnehmer/innen aus Japan, USA und mehreren europäischen Ländern nahmen daran teil. Im Verlauf der Konferenz erhielten zwei Teilnehmer die 'kikyo shiki' (Laienordination).

Zwei weitere Shinkonferenzen hatten als Tagungsort die österreichische Hauptstadt.
6. Europäische Shinkonferenz vom 20. bis 25.August 1990 im Hotel "Schönbrunn.
8.Europäische Shinkonferenz vom 6.bis 10.August 1994 im Buddhistischem Zentrum als Fleischmarkt.
Die 6.und 8.Europäische Shinkonferenz in Wien waren übrigens mit Konferenzen der Internationalen Vereinigung für shinbuddhistischen Studien (IASBS) verbunden, die in der Universität Wien stattfanden.

Als Übersetzer bzw. Verfasser zahlreicher Artikel über Shin-Buddhismus und von zwei Einführungsbroschüren in den Gesamt- und Shin-Buddhismus trat der Kärntner Harald DOHR (Sh. Senshi) hervor.

Er gestaltete mit F. FENZL auch das Blättchen AMIDA, eine Arbeit die später sein Landsmann Gerry HARRANT übernahm.